Wenn der Darm rebelliert - Nahrungsmittelintoleranzen erkennen

Blähungen, Übelkeit, Durchfall - Verdauungsprobleme können ein Anzeichen einer Nahrungsmittelunverträglichkeit sein. Solche werden oft als Modekrankheit abgetan, doch Intoleranzen sind tatsächlich weit verbreitet.

Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung vertragen 15-20 Prozent aller Deutschen keine Laktose. Jeder fünfte ist von einer Fruktoseintoleranz betroffen. Dazu kommen noch Sorbit und Histamin.

Viele Betroffene verstehen nicht, warum ihr Bauch auf die gewohnte Nahrung plötzlich sensibel reagiert, die ihr Darm jahrzehntelang klaglos hat passieren lassen. Tatsächlich können die verschiedenen Nahrungsmittelbestanteile aus ganz unterschiedlichen Gründen Probleme machen, die sich unterschiedlich äußern.

 

Laktose

Wird Milchzucker nicht vertragen, kann ein Mangel des Enzyms Laktase die Ursache sein. Dann wird der Milchzucker nicht vollständig in zwei Zuckermoleküle aufgespalten und kann deshalb von der Schleimhaut des Dünndarms nicht aufgenommen werden.

Fruktose

Die darmbedingte Intoleranz gegen Fruchtzucker geht auf ein defektes oder überlastetes Transportsystem im Dünndarm zurück. Wahrscheinlich ist bei dieser Art der Fruktoseintoleranz das Transportsystem GLUT-5 defekt, das die Fruktose aus dem Lumen in die Dünndarmzellen schleust. Durch den Defekt des Transportsystems steigt die Fruktosekonzentration im Darm an. So gelangt mehr Fruktose in den Dickdarm - Bakterien setzen dort die Fruktose zu Kohlendioxid und Wasserstoff um.

Sorbit

Wer Fruktose nicht richtig aufnimmt hat oft auch ein Problem mit dem Zuckeraustauschstoff Sorbit, denn der nimmt denselben Transportweg. Natürlicherweise ist dieser Zuckergehalte in Stein- und Kernobst sowie Trockenfrüchten enthalten. In größeren Mengen führt er auch bei gesunden Menschen zu Durchfällen.

Histamin

Zu einer erhöhten Histaminbelastung kann es kommen, wenn man sich oft von histaminreichen und histaminfreisetzenden Lebensmitteln ernährt, histaminfreisetzende Medikamente einnimmt oder viele histaminbildende Bakterien im Darm beherbergt.

Bei einer verminderten Histamin-Abbaukapazität staut sich dagegen Histamin an, weil zu wenig abbauende Enzyme vorhanden sind oder die Enzyme nur eingeschränkt arbeiten. Die Kombination aus erhöhter Histaminbelastung und verminderter Histamin-Abbaukapazität verstärkt die Symptome noch.

Die gute Nachricht: Sollten Sie an einer Unverträglichkeit leiden, kann man einiges, tun um sie loszuwerden. Voraussetzung dafür ist, die Auslöser zu erkennen und zu verstehen wie sie entsteht.

 

Was genau geschieht bei einer Unverträglichkeit?

 

Unverträglichkeiten entstehen im Darm. 500 Bakterienstämme sowie Hefe, Pilze und Viren tummeln sich im Dickdarm. Diese auch als Darmflora bezeichnete Mikrobiom hilft, die Nahrung zu verdauen und Keime und Gifte abzuwehren. Je artenreicher die Bakterienstämme, desto gesünder ist der Mensch. Liegt eine andauernde Nahrungsmittelunverträglichkeit vor, kann dieses Ökosystem aus dem Gleichgewicht geraten. Bestimmte Bakterienstämme beginnen sich rapide zu vermehren, andere werden dezimiert.

 

Die Folgen der Intoleranz

Die entstehenden Gase führen im Dickdarm zu einer Drucksteigerung. Dadurch kann die Klappe, die den Dünndarm und den Dickdarm trennt, aufgedrückt werden. Die Bakterien können nun in den von Mikroben nahezu unbewohnten Dünndarm eindringen und immer weiter nach oben wandern. Diese Fehlbesiedlung des Dünndarms wird kurz SIBO (Overgrowth Syndrom) genannt. Die Stoffwechselreste, welche die Bakterien bei der Verdauung ihrer Nahrung absondern, schädigen die Darmschleimhaut. Die Verbindung zwischen den Schleimhautzellen kann Stellenweise aufbrechen, die Darmbarriere porös werden. Dieses nennt man Leaky-Gut-Syndrom. Für die Schädigung der Darmbarriere sind nicht nur unverträgliche Nahrungsmittel verantwortlich auch Medikamente wie Antibiotika und Magensäurehemmer sowie Chemikalien, Konservierungsstoffe und Umweltgifte können dazu führen.

 

Aufdecken, was unverträglich ist

 

Nahrungsmittelintoleranzen sind ernst zu nehmen und müssen möglichst schnell erkannt werden.

 

Anhand eines Atemgastest  kann eine Fruktose-, Sorbit- oder Laktoseintoleranz festgestellt werden.

 

Um der Ursache einer erhöhten Histaminkonzentration und den damit verbundenen Beschwerden auf den Grund zu gehen, eignet sich die Kombination der folgenden Untersuchungsparameter:

Labordiagnostisch lassen sich ein DAO-Mangel (Enzym was Histamin abbaut) als auch die übermäßige Histaminbelastung nachweisen.

Die Diagnose erfolgt durch die Bestimmung des Enzyms DAO im Blut, des Histamins im Stuhl und der Histaminabbauprodukte im Urin. 

Ferner kann man messen, ob ein Mangel der wichtigen Co-Faktoren des Histaminstoffwechsels ( Kupfer, Zink, Vitamin B6)  besteht, sprich eine Bestimmung von wichtigen Vitaminen und Mineralien im Blut.

Um eine Intoleranz erfolgreich zu behandeln, genügt es nicht nur gewisse Nahrungsmittel wegzulassen, sondern auch die Balance im Darm wieder herzustellen und das Stoffwechselsystem zu regulieren.

Anhand einer umfangreichen Stuhlanalyse in meiner Praxis, lassen sich zuverlässige Rückschlüsse hinsichtlich der Darmflora und Darmschleimhaut ziehen.

Ob und welche Analysen genau für Sie in Frage kommen, entscheiden wir gemeinsam anhand der Anamnese (Krankenvorgeschichte) und der Symptome.

Gern berate ich Sie dazu.